| Titel | Perfect Days |
| Genre | Drama |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 12 |
| Regie | Behrooz Karamizade |
Kinostart: 18.01.2024
Tokio-Toiletten-Trägheit
Als Legende würden Fans und Cineasten ihn bezeichnen, wenn sie beim filmgeschichtlichen Stöbern seinen Namen entdecken. Wer Wim Wenders nicht kennt: Es handelt sich um einen weltmännisch-intellektuellen Autorenfilmer aus gutem Hause, der für seine Gemächlichkeit, Poesie, und Philosophie bekannt ist und sowohl Spielfilme, als auch Dokumentarfilme mit ausländischen Einflüssen und geschmackvoller Musikplaylist drehte. Nach „Tokio-Ga“ bewegt sich Wenders mit „Perfect Days“ erneut auf dem Pfad seines ebenfalls träge erzählenden Influencers Yasujirō Ozu („Die Reise nach Tokio“) in Form eines halbdokumentarischen Werbefilms für The Tokio Toilet.

Und darum geht es…
Der schweigsame Hirayama (Kōji Yakusho) geht glücklich und zufrieden einem geregelten Alltag als Toilettenreiniger für The Tokio Toilet nach und hat ein Faible für Fotografie, Musik und Bäume. Schon bald begegnet er seinen Verwandten.


Wenn die Toiletten interessanter sind als der Film
„Perfect Days“ entsprang einer Idee, die Wenders beim Dokumentarfilmauftrag von The Tokio Toilet kam. Er schreibt das Drehbuch mit Takuma Takasaki und entstanden ist eine Würdigung an den japanischen Filmemacher Yasujirō Ozu, gedreht in 4:3, einem altmodisch-analogen Format, mit dem Hirayama seine Bilder macht. „Perfect Days“ beginnt mit der fast ohne Dialoge auskommenden und langweiligen Beobachtung von Hirayamas Alltag. Klos schrubben, Feierabendbier trinken, Fotos schießen, Nudelsuppe schlurfen, Baseball schauen, Schlafen, und Repeat. Der Stil ist klar inspiriert von elegischen Filmen, die vor Urzeiten den Mainstream dominierten, doch in einer schnelllebigen Zeit wie der heutigen, ist die technikhineinwachsende und spektakelgeile Nachkommenschaft zu abgelenkt, um „Perfect Days“ zu genießen, geschweige denn ein Faible für derart langatmige Momentaufnahmen ohne Spannung und Überraschung zu entwickeln. Wenn man schon Ausflucht von der Realität sucht, dann doch nicht in einem Film, der die wirkliche Welt widerspiegelt, und wenn man schon die Schönheit Tokios einfängt, wieso untermalt den geilen Soundtrack nicht den Bildern entsprechend?

„Perfect Days“ kann man auch als Extended-Werbespot für The Tokio Toilet sehen, denn öffentliche WCs in Japan sind nicht exkrement- und graffitiverseuchte Kabinen, sondern High-Tech-Vorbilder mit regulierbarer Wassertemperatur, heizbaren Sitzen, Bidet, und durchsichtigen Wänden, die beim Abschließen undurchsichtig werden. Da fragt man sich, wieso solche Next-Gen-Sanitäranlagen nicht längst andere Industriestaaten erreicht haben? Warum Japan fortgeschrittener als andere Nationen ist, kann man aus Hirayamas Mentalität ableiten. Gelassenheit und die bedingungslose Hingabe zum Job, egal wie entwürdigend dieser ist. Etwas das in der westlichen Zivilisation fehlt oder als fehl am Platz angesehen wird, genauso wie Tokio-Toiletten und derartige Slowdramas.

Dass es bei solch einer Laufzeit ermüdend sein kann, Hirayama beim unspektakulären Tagesablauf zu beobachten, dessen war sich Wenders sicher bewusst, denn im Schlussteil von „Perfect Days“ wird es plötzlich dialoglastig und es kommen Verwandte ins Spiel. Man erfährt trotzdem nicht allzuviel über die Hauptfigur, es wird vieles subtil angedeutet. Kōji Yakusho muss dennoch für sein minimales, gestikabhängiges Schauspiel gelobt werden. Hirayama ist ein einfacher Mann, der mit sich und seinem ereignislosen Leben im Reinen ist, in einem hochmodernen Großstadtlabyrinth, der zur Einsamkeit und dem Gefühl von Verlorensein führen kann.

Fazit
Für den ruhigen Toilettenputzer mögen es „Perfect Days“ sein, für unterhaltungsfordernde Zuschauer wird es kein perfekter Tag, sich diesen Film anzuschauen. Die zwei Stunden Redundanz zahlen sich bloß für Zen-Praktizierende oder Fans von tempolosen Filmen wie denen von Ozu und Wenders aus. Jeweils ein plus für die Tokioaufnahmen, die Klopräsentation, und den Oldie-Soundtrack.

Wie hat Dir „Perfect Days“ gefallen?

