| Titel | Leere Netze |
| Genre | Romanze, Drama |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 12 |
| Regie | Behrooz Karamizade |
Kinostart: 18.01.2024
Wie ein Fisch im Netz
Der im Iran geborene und in Deutschland lebende Drehbuchautor und Regisseur Behrooz Karamizade fiel bisher durch die berührenden Kurzfilme “Bahar im Wunderland” (2013) und “See der Freude” (2019) auf und kehrt für seinen Debütspielfilm “Leere Netze” zu seinen Wurzeln zurück. Das Liebesdrama wurde in einer Zeit der harten Regime-Einschränkungen im Iran gedreht und macht genau dies zum Leitthema: Einschränkung. Sei es durch Familie, Arbeit oder Staat – man bleibt ein im Netz gefangener Fisch.

Und darum geht es…
Die teure Hochzeit von Amir (Hamid Reza Abbasi) und Narges (Sadaf Asgari) verzögert sich, als Amir seinen Job verliert und der Druck der traditionell hohe Erwartungen habenden Gegenfamilie ihn dazu verleitet illegalen Fischereigeschäften nachzugehen, sodass er nicht mehr aus dem Netz herausfindet und seine Liebe zu Narges gefährdet.


Ein schleppendes Sozialdrama
Was Beleuchtung und Kolorierung angeht, macht “Leere Netze” visuell einiges her, jedoch bleibt “Leere Netze”, wie viele iranische Filme, ein langatmiges, dokumentarisch anmutendes Sozialdrama, welches aufgrund der Tatsache, dass es im Iran gedreht wurde, automatisch lobende Kritiken verdient. Betrachtet man „Leere Netze“ aus rein filmischer Sicht, würde die Story einer jungen Liebe aus unterschiedlichen Schichten auch als TV-Film oder TV-Episode genügen. Und das Schlussbild vom Meer als Hoffnungssymbol? Alles bereits dagewesen.

Die schauspielerischen Leistungen sind hervorzuheben, besonders Amirs Entwicklung zum Kriminellen. Auch die Liebesgeschichte von Amir und Narges wird glaubwürdig porträtiert, obwohl verschiedengeschlechtliche Berührungen in derartigen Produktionen verboten sind und das Kopftuch verpflichtend ist, selbst wenn die Szenen im Privatbereich unter Frauen spielen. Wer auf langsam voranschreitenden Sozialrealismus im Sinne von Ken Loach unter Mullahs steht und sich für das gegenwärtige iranische Bild interessiert, dem sei „Leere Netze“ empfohlen. Für die Drama-Affinen, die ohne Längen unterhalten werden möchten, sollten sich emotional wuchtigere Liebesgeschichten aus uneingeschränkten Produktionsländern suchen, und diejenigen, denen die ungerechte Realität genügt und sie sich im Eskapismus sicher wähnen, sollten ohnehin von diesem Film fernbleiben.

Fazit
Langsam voranschreitenden Sozialrealismus im Sinne von Ken Loach!

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