| Titel | Blue Beetle |
| Genre | Action, Sci-Fi |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 12 |
| Regie | Angel Manuel Soto |
Heimkinostart: 16.11.2023
Eine hispanoamerikanische Heldengeschichte
Als erster Film des Marvel Cinematic Universe mit einem schwarzen Superhelden im Zentrum der Geschichte hat “Black Panther” bis heute eine bedeutenden kulturellen Stellenwert für die in der Superheld*innenwelt bis dato unterrepräsentierte Schwarze Bevölkerung. Mit einem starken Vorbild wie Titelheld T’Challa, den Einflüssen aus der afrikanischen Kultur und der Betonung der schwarzen Identität, gilt die Comicverfilmung als ein wichtiges Symbol für Ermächtigung und Vielfalt – und das weit über die Grenzen der Filmindustrie hinaus. Einen ähnlich nachhaltigen Eindruck scheint die auf eine hispanoamerikanische Zuschauerschaft ausgerichtete DC-Verfilmung “Blue Beetle”, über den gleichnamigen lateinamerikanischen Superhelden jedoch nicht zu hinterlassen. An den Kinokassen gefloppt und ohne großen kulturellen Impact, reiht sich die Comicadaption jedenfalls organisch in das zuletzt mehr als durchwachsene Werk, des sich hoffentlich bald wieder zurück zum Guten wendenden DC-Universe ein.

Und darum geht es…
Neben seinem Studium hat Jaime (Xolo Maridueña) allerhand zu tun, um sich und seine Familie über Wasser halten zu können. Ein Vorstellungsgespräch beim Konzern Kord Industries soll Abhilfe schaffen und nach vielen schlecht bezahlten Aushilfsjobs endlich für ein geregeltes Einkommen sorgen. Doch der Besuch läuft anders als gedacht, als ihm seine Freundin Jenny Kord (Bruna Marquezine) in den Fluren des Gebäudes ein mysteriöses Paket in die Hand drückt, dass er unbemerkt nach draußen schmuggeln soll. Gesagt, getan, doch als Jenny nicht auftaucht, wird Jamie neugierig und wagt einen Blick in die entwendete Box. Als er das sich darin befindende alte Artefakt, eine Art blauer Skarabäus, unter den Augen seiner Familie (Belissa Escobedo, Damián Alcázar, Elpidia Carrillo, George Lopez) berührt, frisst sich dieses umgehend in seinen Körper und umschließt ihn in einen flugfähigen, mit allerhand Waffen ausgestatteten Kampfanzug, der ihn mit übermenschlichen Fähigkeiten ausstatte. Kord-Chefin Victoria Kord (Susan Sarandon) gefällt das gar nicht und schickt den ebenfalls mit einer Rüstung ausgestatteten Conrad Carapax (Raoul Max Trujillo) los, um ihr Eigentum zurückzufordern!

James Gunn, bitte übernehmen Sie!
Wieso sich “Peacemaker”-Regisseur James Gunn, als neuer Kopf hinter dem sich kurz vor dem Umbruch befindenden DCEU (dann nur noch DCU) kurz vor dem geplanten Reboot noch auf einen neuen Helden eingelassen hat, wo doch bald alles bisher dagewesene eingestampft wird und nicht mehr als Kanon für die ab 2025 zu erwartenden Filme und Serien gilt, bleibt in Anbetracht des fertigen Produkts ein Rätsel. An der Qualität des uninspiriert aus verschiedenen Comicverfilmungen zusammengeschusterten Flickenteppichs kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Der vermeintliche Actionspaß vereint eine ordentliche Portion des da schon unerträglich kindischen “Shazam!”-Humors, oft gesehenes, selten gelungenes Iron Man-eskes Kampfanzug-Gekloppe, eine ebenfalls dort entliehene Charvis-Stimme und uninspirierter Held gegen böser Klon mit exakt denselben Fähigkeiten–Action. Dabei lässt “Blue Beetle” trotz der unverbrauchten lateinamerikanischen Herkunft seines Protagonisten, genauso wie dieser selbst, eine eigene Identität vermissen.

Während sich die kulturellen Latino-Einflüsse abgesehen von einer authentischen Familiendynamik größtenteils auf stereotype Beobachtungen beschränken, die mit dem Black Empowerment in “Black Panther” zu keiner Zeit in Konkurrenz stehen, sieht es abseits der nennen wir sie „Neuerungen“ ebenso betont nicht-innovativ aus. Die Familystory bleibt ähnlich ungenutzt wie schon in “Shazam!” – den deutlich besseren zweiten Teil “Shazam! – Fury of the Gods” mal ausgenommen -, und lässt sich in Sachen überdrehter Albernheit eher in Spy Kid-Sphären verorten. Diametral zum familiären wie kinderfreundlichen Tonfall, verhält es sich mit der ersten, doch überraschend schmerzhaften körperlichen Transformation Jamies, die als Wegbereiter für eine von düsterem Bodyhorror begleitete, andersartig-fiese Comicadaption nahezu prädestiniert gewesen wäre. Statt diese Chance jedoch für sich zu nutzen und dem Superheld*innen-Genre, speziell dem DCEU, einen neuen Spin zu verleihen, wandert “Blue Beetle” weiter auf den ausgelatschten Pfaden eines aussterbenden Popkultur-Phänomens, womit er sich eigentlich um einen Platz im Giftschrank, neben der gecancelten Batgirl-Verfilmung verdient gemacht hätte.

Fazit
Uninspirierte Comic-Action von der Stange!
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