| Titel | Die letzte Nacht in Mailand |
| Genre | Thriller |
| Jahr | 2023 |
| FSK | 16 |
| Regie | Andrea di Stefano |
Heimkinostart: 03.11.2023
Ein moralisches Dilemma
Einer der faszinierendsten Aspekte hinter dem Genre des Cop-Thrillers sind ganz klar die moralischen Dilemmata, vor die, die meist gute Absichten verfolgenden und von Berufswegen zur Einhaltung ethischer und gesetzlicher Regeln angehaltenen Protagonist*innen gestellt werden. Auch in Andrea di Stefanos Noir-Crime-Thriller “Die letzte Nacht in Mailand” ist dies eines der leitenden Motive, wenn das Gewissen eines rechtschaffenen Leutnants nach dessen groben Fehlverhalten auf die Probe gestellt wird – und das ausgerechnet in seiner allerletzten Nacht vor seinem Ruhestand.

Und darum geht es…
In 35 Dienstjahren hat Franco (sehr stark: Pierfrancesco Favino) seine Waffe nicht einmal abgefeuert – und in der letzten Nacht vor seiner Pensionierung soll sich das auch nicht ändern. Doch die Nachtschicht des Polizeileutnants gestaltet sich dann doch anders als erhofft, als ein riskanter Diamantentransport völlig aus dem Ruder gerät und neben dem Tod seines langjährigen Partners und Freundes Dino (Francesco Di Leva) auch den wohlverdienten Ruhestand von Franco in Gefahr bringt. Gefangen in einem Netz aus Lügen, Täuschung und menschlichen Verfehlungen sieht sich der Familienvater der wohl schlimmsten Nacht seines Lebens vor!

Pulsierendes Spannungskino aus Italien
„Die letzte Nacht in Mailand“ nimmt das Publikum mit auf einen pulsierenden Trip durch eine schicksalsträchtige Nacht, in der alles schiefgeht, was nur schiefgehen kann und gesellt sich dabei nahtlos zu Werken wie dem brillanten Ausnahmefilm „Good Time“ oder dem (zu Unrecht) völlig unter dem Radar gelaufen Echtzeit-Thriller „Nightride“. Was den italienischen Thriller mit den beiden genannten eint, ist nicht nur das Setting des nächtlichen Großstadtlichtermeers und die sich darin abspielende Reis eines sich immer tiefer in den Verwinklungen einer nicht aufzuhaltenden Abwärtsspirale verirrenden Protagonisten, sondern auch die inszenatorische Herangehensweise, wenn es darum geht, den Brustkorb einschnürende Spannung zu generieren.

Wenn sich “Die letzte Nacht in Mailand” in den überraschend behäbigen ersten 50 Minuten als entschleunigtes, dadurch aber nicht minder hypnotisches Noir-Drama zu erkennen gibt, liegt das bevorstehende Chaos bereits hier schon in Form einer dunklen Vorahnung, wie ein Schatten über der bis dato noch idyllischen Welt Francos. Mit einem erzählerisch überaus geschickten Kniff, der zwei Zeitlinien für die fortan linear verlaufende Geschichte zusammenführt, startet Andrea di Stefano schließlich den frontalen Angriff auf das Nervenkostüm der Zuschauer*innen – was uns wieder zurück zum “Good Time”-Vergleich führt. Die treibende Musik trägt dabei einen maßgeblichen Anteil. Bereits der Vorspann über den beleuchteten Häuserdächern der mailändischen Nacht besticht mit dem aktuell vielleicht eindringlichsten Filmscore des Jahres und agiert auch im weiteren Verlauf immer wieder als spannungstragendes Element.

Fazit
Ein pulsierender und nervenaufreibender Trip durch das nächtliche Mailand!
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