Saw X – Kritik

TitelSaw X
Genre Horror, Thriller
Jahr2023
FSK18
RegieKevin Greutert

Kinostart: 30.11.2023

John Kramer ist tot, lang lebe John Kramer!

Die Kritik zu “Saw X” enthält Spoiler zu den vorangegangenen Filme der Reihe (von „Saw“ bis „Saw: Spiral“)

Ein kleiner Rückblick: Als John Kramer im bis heute unerreichten ersten Teil der Saw-Reihe sein Leinwanddebüt als moralische Instanz mit Hang zu perfiden Psychospielchen gab, waren es sein Unmut über die fehlende Wertschätzung für das Leben und die massiven Fehlverhalten seiner Opfer, die als Antrieb für sein blutiges Handwerk dienten. Mit der Enthüllung Kramers Krebserkrankung in „Saw III“ wurde diese Motivation um eine weitere, jetzt auch persönliche Ebene ergänzt. Mit „Saw IV“ ging es dann noch ein Stück weiter zurück in die Vergangenheit Jigsaws, der – nach Teil 3 eigentlich Tod – schließlich weiterhin Bestandteil des Franchise sein sollte. Ein weiterer Schicksalsschlag musste her – oder besser gleich mehrere, gleichmäßig über die inzwischen zehn Filme umfassende Reihe verteilt: Die Fehlgeburt des eigenen Kindes, ein Selbstmordversuch, Beziehungsaus samt Scheidung – Hauptsache der Mythos Kramer lebt weiter! Und genau das ist auch das Motto von „Saw X“…

Saw X ©Lionsgate

Und darum geht es…

John Kramer (Tobin Bell) weiß, dass er bald sterben wird. Seine Krebserkrankung lässt sich mit herkömmlichen Methoden der Medizin nicht länger aufhalten, geschweige denn heilen. Doch dann erfährt er von einer experimentellen Behandlung, die in medizinischen Kreisen zwar als Scharlatanerie abgetan wird, vielen Menschen aber bereits das Leben gerettet haben soll. Für den kostspieligen wie auch illegalen Eingriff macht er sich auf den Weg nach Mexiko, nichtsahnend, dass sich die Vorwürfe als wahr herausstellen sollten und den schwerkranken Mann mittellos und um den letzten Funken seines Glaubens an die Menschlichkeit beraubt zurücklässt. Grund genug für Kramer, seine Peiniger*innen (u.a. Synnøve Macody Lund und Renata Vaca) für eine weitere Partie seiner tödlichen Spiele auszuwählen!

Saw X ©Lionsgate

Mehr Jigsaw und dafür weniger Spaß denn je

Wie die kurze Reise durch die Chronik des Saw-Franchise eingangs bereits erahnen ließ, hat sich auch „Saw X“ zur Aufgabe gemacht, das Zugpferd der Reihe, John Kramer, künstlich am Leben zu erhalten. Im jüngsten, von Fans verschmähten Ableger “Saw: Spiral” war Kramer nur noch ein dunkler Mythos – in Teil 10 ist er präsenter denn je. Doch die Milchmädchenrechnung “mehr Jigsaw, besserer Film” geht leider nicht auf, schließlich waren es seit jeher die perfiden Todesfallen, die das Franchise zu dem machte, wofür es heute steht. Und genau diese fallen dieses Mal doch ziemlich enttäuschend aus. So erwartet das nach Blut dürstende Publikum teils absurde, völlig hanebüchene Aufgaben wie die Operation am eigenen Gehirn – und das quasi freihändig und blind – oder dann doch ziemlich blutarme und wenig kreative Apparaturen wie eine eiserne Jungfrau mit vorangegangener Körperröstung. Während die Saw-Reihe ihre Opfer einst noch vor zwar schwere, aber immerhin lösbare Aufgaben stellte, geht es in “Saw X” doch ziemlich over-the-top, dadurch aber nicht automatisch besser zur Sache.

Saw X ©Lionsgate

In “Saw” haderten die Protagonisten Lawren und Adam noch über die gesamte Spielfilmlänge damit, sich mithilfe einer rostigen alten Säge eines Körperteils zu entledigen. Heute geschieht dies binnen Sekunden, umfasst gleich mehrere Extremitäten und schwups ist es auch schon wieder vorbei. Bereit für die nächste blutige Schandtat. Dabei lässt sich “Saw X” zu Beginn eigentlich viel Zeit und verfolgt, frei von Horror-Ambitionen, ein weiteres Unrecht John Kramers, um nach der 30-minütigen melodramatischen Exposition wieder alles über Bord zu werfen und stattdessen im Eiltempo durch das sadistische Treiben zu hetzen. Durch die Verlagerung, weg von den Gepeinigten, hin zu Kramer und der frühen Offenlegung der menschlichen Verfehlungen seiner Opfer, bleibt das Mitfiebern aus. Dass Jigsaws Plan aufgeht, ist durch die Verortung der Geschehnisse in die Vergangenheit schließlich gewiss, wie auch der Tod der abgrundtief bösen, dieses Mal nicht vermeintlich unschuldigen Figuren. Spaß macht das Ganze letzten Endes dann ja irgendwie doch – nur eben weitaus weniger als alle bis dato erschienenen Saw-Teile.

Saw X ©Lionsgate

Fazit

“Saw X” ist durch den Fokus auf sein Zugpferd John Kramer lediglich auf den ersten Blick eine Besinnung zu den Wurzeln der Reihe und erweist sich letztendlich als weiterer ideenloser Ableger. Immer noch recht unterhaltsam, aber irgendwie auch ziemlich fad.

Bewertung: 2.5 von 5.

Wie hat Dir „Saw X“ gefallen?

Das könnte Dich auch interessieren!