| Titel | Megalomaniac |
| Genre | Horror |
| Jahr | 2023 |
| FSK | ungeprüft |
| Regie | Karim Ouelhaj |
Kinostart: 16.11.2023
Auf den Spuren des französischen Kult-Terrorfilms „Martyrs„
Als im Juli 1997 die mehr als ein Jahr anhaltende brutale Mordserie des unter dem Namen Der Schlächter von Mons bekannt gewordenen belgischen Serienkillers jäh endete, hinterließ dies nicht nur eine handvoll auf bestialische Art und Weise getöteter und zerstückelter Frauenleichen, sondern auch viele offene Fragen. Wer der kaltblütige Mörder war, sollte sich erst mit der Gefangennahme eines 62-jährigen Arztes rund 20 Jahre später aufklären. Der faszinierende Kriminalfall des Schlächters diente Karim Ouelhaj als Inspirationsquelle für seinen kompromisslosen Terrorfilm “Megalomaniac”, für den sich der belgische Regisseur viele erzählerische Freiheiten nahm und dem barbarischen Monster gleich zwei tragische Kinder andichtete. Mit Blick in Richtung des schier grenzenlosen Terrors, den einst der ultrabrutale französische Horror-Schocker “Martyrs” auf die Leinwand bannte, versucht sich Ouelhaj an eine etwas andere True-Crime-Interpretation mit großen Versprechungen, die so leider nie wirklich in Erfüllung gehen.

Und darum geht es…
Die blutigen Taten des berüchtigten Serienkillers, dem Schlächter von Mons, liegen bereits viele Jahre zurück, doch für dessen Kinder Felix (Benjamin Ramon) und Martha (Eline Schumacher) wird sein Erbe ewig leben. Während einer Vergewaltigung gezeugt und in Gefangenschaft geboren, hat das ungleiche Geschwisterpaar, das bis heute in den Gemäuern des heruntergekommenen Verstecks des Schlächters lebt, täglich mit den Folgen dieser grausamen Zeit zu kämpfen. Von der Gesellschaft als Ausgeburt des Teufels gemieden und angefeindet, erfährt Martha bei der Arbeit Ausgrenzung sowie körperliche und seelische Gewalt, während ihr Bruder Felix selbst längst zum kaltblütigen Mörder wurde. Von einer ähnlichen Entwicklung ist Martha, so glaubt sie zumindest, noch weit entfernt – doch dann überschreitet einer ihrer Arbeitskollegen eine Grenze und der Wahnsinn nimmt seinen morbiden Lauf!

Kalkulierter Schock mit gegenteiligem Effekt
Statt den zugrundeliegenden wahren Fall des Schlächters von Mons für eine akribisch genaue Aufarbeitung in Form einer, sich großer Beliebtheit erfreuenden True-Crime-Geschichte zu verheizen, geht Karim Ouelhaj einen weitaus interessanteren Weg und inszeniert seinen vierten Spielfilm “Megalomaniac” als abgründigen Horror-Albtraum, der mit dem eigentlichen Fall so gut wie nichts mehr zu tun hat. Der Schlächter selbst und dessen grausame Tat finden höchstens in Rückblenden oder den düsteren Visionen Marthas (stark gespielt von Eline Schumacher) statt, die sich bei ihrem psychischen Abstieg in den Wahnsinn mit ihrem unrühmlichen Erbe auseinandersetzen muss. Dies geschieht meist in surreal-künstlerischen Zeitraffern, zu den finster wummernden Klängen des atmosphärischen Scores.

Sieht man mal von der arg hektischen Kameraarbeit ab, die immer dann, wenn sich “Megalomaniac” als Slasher präsentiert, mehr unkoordiniert und schwindelerregend als den Terror bestärkend wirkt, liegt die Stärke des belgischen Reißers klar auf der kinematografischen Seite. Rein erzählerisch sieht es hingegen dürftig aus. Als finsteres Psychogramm einer gebrochenen Seele funktioniert “Megalomaniac” nur bedingt, während der erhoffte grenzüberschreitende Horror weitaus gezügelter daherkommt, als der “Martyrs”-Vergleich erhoffen lässt. Ouelhaj möchte seinem Publikum viel zumuten und legt dabei eine Kaltblütigkeit an den Tag, die ihresgleichen sucht – und doch verfehlt die kalkulierte Provokation weitestgehend ihr Ziel, was auch darauf zurückzuführen ist, dass die namen- und identitätslosen Opfer durch die damit einhergehende Entmenschlichung lediglich zu anonymem Schlachtvieh verkommen. Was bleibt ist eine zwar stimmig gefilmte und doch repetitiv-ermüdende Szenenabfolge von grotesken Slow-Motion-Albtraumszenarien, tristen Alltagssituationen und willkürlich eingestreutem Morden.

Fazit
Brutal und kompromisslos – und doch viel zu distanziert und am Publikum vorbei erzählt!
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