Blood – Kritik

TitelBlood
Genre Horror, Drama
Jahr2022
FSK16
RegieBrad Anderson

Heimkinostart: 27.10.2023

Mein Sohn, der Vampir!?

Wenn Jess zu realisieren beginnt, dass lediglich die orale Zufuhr von frischem Blut ihren Sohn am Leben erhält, erkundigt sich die geschulte Krankenschwester vorsichtig bei einem Fachmediziner, ob es Aufzeichnungen darüber gibt, dass diese außergewöhnliche Form einer Bluttransfusion medizinisch notwendig wäre. Die wenig überraschende Antwort lautet, dass es zwar durchaus Fälle gibt, in denen Patient*innen von einem gewissen Placebo-Effekt profitieren, dementsprechend auch vitale Verbesserungen vermelden, dies aber immer im Zusammenhang mit einer psychologischen Störung, dem im Volksmund als (klinischem) Vampirismus, oder auch Renfield-Syndrom bekannt (hier geht’s zur Kritik von “Renfield”) einhergeht. Was ist es also, dass den kleinen Owen in “Blood” notgedrungen zum Blutsauger mutieren lässt?

Blood ©SquareOne Entertainment

Und darum geht es…

Die Trennung mit ihrem Ex-Mann steckt Jess (Michelle Monaghan) noch in den Knochen, weshalb sie sich dazu entschieden hat, mit ihrer Tochter Tyler (Skylar Morgan Jones) und ihrem Sohn Owen (Finlay Wojtak-Hissong) erst einmal auf Abstand zu gehen. Mit dem Umzug in ein abgelegenes Landhaus verspricht sich die Krankenschwester, die neben ihrer hässlichen Scheidung auch noch mit ihrer Drogenvergangenheit abzuschließen hat, etwas Ruhe für sich und ihre Kinder. Als der Familienhund eines Nachts nicht nach Hause kommt und erste Tage später blutüberströmt und tollwütig-aggressiv vor der Haustür erscheint und den hilflosen Owen ohne Vorwarnung attackiert und dabei schwer verletzt, war es das mit dem vermeintlichen Frieden. Im Krankenhaus angekommen, verschlechtert sich der Zustand des Jungen zunehmend, bis Jess, den sehnsüchtigen Blicken ihres Sohnes in Richtung einer Bluttransfusion folgend, realisiert, dass lediglich Blut den Zustand Owens verbessern kann. Einmal vom roten Nektar gekostet, erhalten auch die Lebensgeister wieder Einzug in Owen – doch das ist nicht von Dauer. Er benötigt mehr und mehr…

Blood ©SquareOne Entertainment

Wie weit würdest du gehen, um dein Kind zu retten?

Was hinter Owens mysteriöser Krankheit steckt, die sich lediglich mit dem oral Konsum von Blut unterdrücken lässt, ist für die Entwicklungen des geruhsam erzählen Horrordramas “Blood” nicht weiter von Belang. Brad Anderson entscheidet sich bewusst gegen die erzählerischen und inszenatorischen Gepflogenheiten eines klassischen Vampirfilms und richtet seinen Fokus gezielt auf Jess und die Frage, wie weit eine Mutter bereit ist zu gehen, um ihr eigenes Kind zu beschützen. Trotz den Parallelen zur bekannten Vampir-Mythologie und deren diversen filmischen und schriftstellerischen Ablegern, orientiert sich “Blood” weitmöglichst davon entfernt und bricht die Überschneidungen auf den kleinsten, gemeinsam Nenner herunter, nämlich dem Trinken von Blut zur Lebenserhaltung.

Blood ©SquareOne Entertainment

“Blood” erweist sich durch diese bewusste Entscheidung als einer der interessantesten Vampirfilme der vergangenen Jahre, ohne je wirklich einer zu sein. Frei von plakativen Schockmomenten und ausladenden Gewaltszenen, stützt sich der Horror in Andersons Familiengeschichte auf die innere Zerrissenheit einer Mutter, die sich, geplagt von den Dämonen ihrer Vergangenheit und den Strapazen eines unschönen Beziehungsendes samt Sorgerechtsstreitigkeiten, plötzlich in einem moralischen Dilemma wiederfindet. Als das klammheimliche Entweder krankenhausinterner Blutkonserven aufzufliegen droht, muss Jess zu drastischeren, wenn auch nicht immer ganz plausiblen Mitteln greifen. Was mit Kaninchen aus der Zoohandlung beginnt, spitzt sich mit dem Wissen, dass sich das Unausweichliche höchstens hinauszögern und keinesfalls aufhalten lässt, weiter zu und das Unheil nimmt seinen atmosphärisch dichten Lauf, bis zum intimen und dadurch umso wirksameren Finale.

Blood ©SquareOne Entertainment

Fazit

So paradox das auch klingen mag: “Blood” ist kein Vampirfilm und doch einer der besten Vampirfilme der vergangenen Jahre!

Bewertung: 3.5 von 5.

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