| Titel | Swallowed – Es ist in dir |
| Genre | Thriller, Horror |
| Jahr | 2022 |
| FSK | 16 |
| Regie | Carter Smith |
Heimkinostart: 27.10.2023
Als wäre Bodypacking nicht schon gefährlich genug…
Beim sogenannten Bodypacking handelt es sich um eine nicht nur juristisch, sondern auch körperlich besonders gefährliche Art des Drogenschmuggels, bei der die illegalen Substanzen im eigenen Körper transportiert werden, indem sie in Kunststoffbeuteln oder anderen Verpackungen verschluckt, eingeführt oder in Körperöffnungen gesteckt werden. Typische Drogen, die auf diese Weise geschmuggelt werden, sind Kokain, Heroin, MDMA, aber auch andere Rauschmittel. Hätten die beiden ahnungslosen Protagonisten von Carter Smiths Bodyhorrorfilm “Swallowed” gewusst, was genau sie da wirklich geschluckt haben, um sich das Taschengeld etwas aufzubessern, hätten sie ihre Aktion mit Sicherheit noch einmal überdacht!

Und darum geht es…
Benjamin (Cooper Koch) und Dom (Jose Colon) sind seit ihrer Jugend unzertrennlich. Als sich Ben jedoch dazu entscheidet, nach Los Angeles zu ziehen, um dort als homosexueller Darsteller in Pornofilmen Fuß zu fassen, trennen sich die Wege der besten Freunde erstmals in ihren Leben. Ohne Rücklagen scheint dieses Vorhaben jedoch ziemlich blauäugig, weshalb Dom seinen Kumpel unter die Arme greifen möchte. Durch Beziehungen kann er einen auf den ersten Blick einfachen, nahezu risikolosen Drogendeal an Land ziehen. Um kein Aufsehen zu erregen, müssen sie lediglich ein paar Päckchen verschlucken und die Ware sicher in ihrem Inneren über die Grenze bringen. Als Dom in eine Auseinandersetzung mit einem homophoben Autofahrer gerät und ihm dieser einen Schlag in den Bauch verpasst, öffnet sich eines der Bodypacks – und offenbart dabei die wahre, schmerzhafte Natur seines Inhalts…

Ein Schlag in die Magengrube, ohne Schlag in die Magengrube
Das Line-up des alljährlichen Fantasy Filmfests, sowie dessen Ableger, die Fantasy Filmfest White Nights, ist meistens ein guter Indikator dafür, worauf man sich als Fans außergewöhnlicher Genrefilme in den nächsten Wochen und Monaten freuen darf – sei es auf der großen Kinoleinwand oder dem Heimkinomarkt. “Swallowed” dürfte für viele Nicht-Festivalbesucher*innen einer dieser Filme gewesen sein, die nach den ersten Bildern zur Festival-Premiere und spätestens nach dem unglaublich atmosphärischen Trailer mehr als nur heiß erwartet wurden. Und da ist er nun, bereit für den physischen Heimkinostart am 27. Oktober 2023 – und erstickt die hohen Erwartungen nach einer zugegebenermaßen wirklich überzeugenden ersten halben Stunde im Keim.

Dass ein schmales 4:3 Format nicht nur schick anzusehen ist, sondern auch als Visualisierung einer ausweglosen, bedrückenden Situation einen tatsächlichen Mehrwert bietet, ist nicht neu, aber immer wieder effektiv – so auch in “Swallowed”. Rein inszenatorisch gibt es an der ästhetisch fotografierten Indieproduktion absolut nichts auszusetzen – ganz im Gegenteil: Reduziert man Carter Smiths queeren Horroralbtraum auf die audiovisuellen Reize, gehört “Swallowed” mit zu den interessantesten Werken des gesamten Horror(Heim-)Kinojahres. Bedauerlicherweise kann der “Ruinen”-Regisseur diese Qualität nicht einmal im Entferntesten auf das von ihm selbst verfasste Drehbuch übertragen.

Wo bleibt der Bodyhorror?
Ist die unbekannte, mit Sicherheit aber tödliche Ware erst einmal dem Titel entsprechend verschluckt und nach einem kräftigen Schlag in den Magen plötzlich in Doms Innereien freigesetzt, war es das erst einmal mit dem anfänglichen Unbehagen. Statt sich dem kurz angeteaserten Bodyhorror vollends hinzugeben, enttäuscht „Swallowed“ mit einer hanebüchenen Enthüllung der Identität der mysteriösen “Droge” und platziert stattdessen einen neuen Antagonisten, der nerviger und generischer nicht sein könnte. Selbst die Symptomatik der plötzlich freigesetzten Gefahr im Inneren Doms wirkt beliebig. Und so findet sich das nach schmerzhaftem Body- und / oder Psychohorror lechzende Publikum auf einmal in einem nicht enden wollende kammerspiel-eske Schlussakt wieder, der der spannenden Prämisse, dem starken Look und der stimmigen Exposition einfach nicht gerecht werden möchte.

Fazit
Nicht das schweißtreibende Erlebnis, das die spannende Prämisse vermuten lässt!
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