Old Dads – Kritik / Netflix

TitelOld Dads
Genre Komödie
Jahr2023
FSK16
RegieBill Burr

Starttermin: 20.10.2023 / Netflix

Wenn die fetten Jahre vorbei sind…

Wo ist nur die Zeit geblieben? Gestern noch am Zahn der Zeit; jung, wild und selbstsicher durch die Welt spazierend; heute abgeschlagen von den gesellschaftlichen Entwicklungen, im Schatten einer neuen, gänzlich anderen Generation, bereit für eine Generalüberholung – oder eben direkt auf den Schrottplatz zur Resteverwertung. So oder so ähnlich dürfte es sich anfühlen, als gestandener Mann mittleren Alters, mit der neuen Rolle als Vater sowieso schon vor Herausforderungen gestellt, in Angesicht neuer gesellschaftlicher Themen wie Inklusion, Political Correctness und Nachhaltigkeit. Dabei hatte doch eben erst der Lebensabschnitt begonnen, in dem Stabilität und Sicherheit vorherrschen. Der Moment, in dem man sich eigentlich nur noch zurücklehnen möchte, um siegessicher den eigenen Werdegang zu beglückwünschen. Dieses Gefühl scheint auch der weltbekannte Stand-up-Comedian und Vater Bill Burr nur zu allzu gut zu kennen, das er in seinem politisch unkorrekten und dennoch handzahmen Netflix Original „Old Dads“ verarbeitet!

Old Dads ©Netflix

Und darum geht es…

Jack Kelly (Bill Burr), Connor Brody (Bobby Cannavale) und Mike Richards (Bokeem Woodbine) sind nicht nur beste Freunde und Geschäftspartner, sondern auch obendrein allesamt erst vor kurzem Vater geworden – und das reichlich spät. Als frischgebackene Daddys mitten in ihren Vierzigern bringt das neu gewonnenen Glück aber auch so manche Irritationen mit sich. Was gestern noch richtig war, ist heute plötzlich falsch und bringt die Männergruppe immer wieder an ihre Grenzen. Als sie beschließen, ihre Firma zu verkaufen, die sie vor vielen Jahren gemeinsam aufgebaut haben, um dort fortan nur noch als Angestellte zu arbeiten, finden sie sich auf einmal auch im Berufsleben ganz neuen, zeitgeistigen Strukturen gegenüber, mit denen die Herrschaften von vorne bis hinten überfordert sind.

Old Dads ©Netflix

Vom bissigen, brillanten Stand-up zum Boomer-Spielfilm

Wer Bill Burr schon einmal auf der Bühne gesehen, weiß, wie viel Humor in dem charismatischen Entertainer steckt. Dass er mit seinen teils überaus provokanten Bits auch aneckt, ist verständlich. Dank treffsicheren Pointen und einer guten Portion Selbstironie gestalten sich Burrs Stand-up Shows dennoch als einmaliges Comedy-Erlebnis, mit ihm als Reflexionsfläche aller Grumpy Old Men. Wo gutes Stand-up, oft derbe und gekonnt die Grenzen des guten Geschmacks auslotend, grundsätzlich sich selbst, und damit auch die Gesellschaft aufs Korn nimmt, die mit gewissen Veränderungen und Geschehnissen auf dieser Welt ihre Probleme zu haben scheint, verschiebt “Old Dads” diese Opferrolle zurück zu den Menschen, über die diese Späße gemacht werden. Gutes Stand-up ist selbstironisch. Bill Burrs Bühnenshow ist selbstironisch. Sein Film jedoch nicht.

Old Dads ©Netflix

Dabei ist die Ausgangslage, die Burr, der im Alter von 49 selbst zum ersten Mal Vater geworden ist, für sein Regiedebüt gewählt hat, eigentlich prädestiniert für einen herrlich politisch unkorrekten Spaß. Das Ergebnis hingegen ist weitaus weniger South Park– oder Family Guy-esk als erhofft und viel mehr ein mürrisch-lahmer, weitaus zynischeren Ableger einer Adam Sandler Komödie der Marke “Kindsköpfe”. Eine aus der Zeit gefallene Komödie mit plumpen, angestaubten Boomer-Gags über Veganer*innen, Papierstrohhalme und E-Roller (deutlich besser aufs Korn genommen in der Apple Original Serie “Platonic”). Dabei lässt “Old Dads” die herrlich-pointierten Alltagsbeobachtungen, wie man sie aus den Shows des Stand-up-Comedians kennt, nahezu gänzlich vermissen. Somit erweist sich Bill Burs Einstand auf dem Regiestuhl als herbe Enttäuschung für alle Fans des begnadeten Stand-Uppers, auch wenn die eine oder andere Pointe natürlich ihr Ziel nicht verfehlt!

Old Dads ©Netflix

Fazit

Angestaubter Boomer-Humor statt beißende Bill Burr-Pointen!

Bewertung: 2 von 5.

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