| Titel | Door |
| Genre | Horror, Thriller |
| Jahr | 1988 |
| FSK | nicht geprüft |
| Regie | Banmei Takahashi |
„Door“ ist im Rahmen des WEIRD WEEKENDER International Genre Film Festivals zu sehen.
Vorsicht vor widerspenstigen Verkäufern!
Autor und Regisseur Banmei Takahashi startete seine Karriere mit Pink-Filmen, japanische Exploitationstreifen mit Verherrlichung von Sex und Gewalt, und war Gründungsmitglied der künstlerisch ambitionierten Anti-Studiosystem-Produktionsfirma The Director’s Company, benannt nach dem US-Vorbild. Sein hierzulande unbekannter und mit sozialkritischen Untertönen versehener J-Home-Invasioner „Door“, der zwei Fortsetzungen nach sich zog, bietet eine willkommene Neuentdeckung in internationalen Thrillergefilden.
Und darum geht es…
Hausfrau Yasuko Honda (Keiko Takahashi), die mit ihrem hart arbeitenden Mann Saturo (Shirô Shimomoto) und ihrem kleinen Sohn Takuto (Takuto Yonezu) in einem Wohnhaus lebt, ärgert sich über die Aufdringlichkeit des Verkäufers Yamakawa (Daijirô Tsutsumi). Beim frustrierten Türzuschlagen verletzt Yasuko dabei seine Hand und legt den Grundstein für eine alptraumhafte Belästigung.

Langsam aufbauender Thrill, der hart umschlägt
Die Intensität von „Door“ steigert sich häppchenweise. In der ersten Stunde kommt es zu Stalking, Vandalismus, und bösen Streichen, und in der letzten halben Stunde schlägt „Door“ die Tür zum gewalttätigen Szenario um, der den Puls auf begrenztem Raum in die Höhe treibt. Für heutige Sehgewohnheiten wirkt die Gewalt ertragbar und stellenweise wenig überzeugend inszeniert, selbst der krönende Minimotorsägenabschluss wechselt aufgrund von Explizitätsvermeidung zum Schwarzweißbild. Takahashi scheint im Vergleich zu seinen Pink-Zeiten bei „Door“ kürzer getreten zu sein und konzentriert sich vielmehr auf psychologische Gewalt, um im Finale entschädigender- wenn auch nicht radikalerweise zu eskalieren.

Es gibt Verweise auf Stanley Kubricks „The Shining“ und an das italienische Thriller-Subgenre Giallo, doch anders als die Twists und falschen Fährten im Giallo, enthüllt „Door“ dem Zuschauer das Gesicht des Psychopathen früher als der Hausfrau und ist in der Inszenierung der blutigen Szenen nicht stylischer. Banmei Takahashi schafft es, Kommerzialisierungs- und Kapitalismuskritik subtil einzubauen und liefert eine der beunruhigendsten und spannendsten Sequenzen, dargestellt in meisterhafter Vogelperspektive, erinnernd an das Türenlabyrinth der skurrilen Spielshow „Takeshi’s Castle“ oder die Hausdurchsuchung in „Minority Report“. Obwohl „Door“ keinen hohen Bekanntheitsgrad wie andere japanische Thrillerklassiker genießt, ist es für Fans des Genres zweifellos ein verstecktes Schmuckstück, das eine Retrospektive verdient.

Im Gegensatz zum Szenario klingt die Musik weniger bedrohlich und wirkt eher wie eine für Gelassenheit sorgende Hintergrundmelodie im asiatischen Restaurant, möglicherweise ein beabsichtigter Kontrast. Regisseurgattin Keiko Takahashi liefert eine kraftvolle bzw. qualvolle Performance in ihrer Verwandlung von verängstigter Mutter zu gewaltbereiter Beschützerin ab, der Kinderschauspieler Takuto Yonezu ist gleichzeitig denkwürdig und nervtötend, und Schauspieler und Sänger Daijiro Tsutsumi ist als Eindringling auf eine hinterlistige, von schmierigen Geschäftsleuten bekannte Art gruselig und der Wahnsinn, der ihn überkommt, verleiht dem ganzen Geschehen die besondere Note des Unbehagens.

Fazit
Sehenswerter 80s-Home-Invasion-Thriller der japanischen Art.
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