Ballerina – Kritik / Netflix

TitelBallerina
Genre Action, Thriller
Jahr2023
FSK16
RegieLee Chung-hyun

Starttermin: 06.10.2023 / Netflix

Verwechslungsgefahr: Nicht das „John Wick“-Spin-off

Mit der Amazon Original Serie „The Continental: Aus der Welt von John Wick“ feierte heute vor zwei Wochen das erste von aktuell insgesamt zwei geplanten „John Wick“-Spin-off seine Deutschlandpremiere auf Prime Video. Auf den zweiten Ableger, das für nächstes Jahr angekündigte Action-Spektakel „Ballerina“ mit Ana de Armas in der Hauptrolle, müssen sich Fans der Reihe hingegen noch bis Mitte nächstes Jahr gedulden. Da bietet es sich ja förmlich an, bis dahin mit dem gleichnamigen südkoreanischen Netflix Original „Ballerina“ vorliebzunehmen, schließlich verspricht bereits der Trailer all das, wofür auch das John Wick-Franchise steht: ultrabrutale Fights, eiskalte Killer*innen und stylische Action Set Pieces!

Ballerina ©Yoo Eun Mi/Netflix

Und darum geht es…

Ok-ju (Jeon Jong-seo) führt ein einsames Leben, seitdem sie ihre Arbeit als Leibwächterin hinter sich gelassen hat. Erst als ihr plötzlich ihre ehemalige Schulkameradin, die Balletttänzerin Min-hee (Park Yu-rim) über den Weg läuft, fühlt sie sich nicht mehr allein in der Welt. Doch die innige Freundschaft findet ein jähes Ende, als Ok-ju ihre Freundin tot in ihrer Badewanne auffindet. Einzig eine handschriftlich verfasste Notiz gibt Rückschlüsse darauf, wer für Min-hees Ableben verantwortlich sein könnte. Getrieben von Rachegelüsten begibt sich die schlagkräftige Frau auf die Suche nach ihrem Mörder und stößt dabei schnell auf den kaltblütigen Choi (Kim Ji-hoon) und dessen bis unter die Zähne bewaffnete Schergen. 

Ballerina ©Yoo Eun Mi/Netflix

Unterhaltsame Netflix-Action

Auch wenn „Ballerina“ standardgemäß und dem Genre entsprechend mit einer kurzen Actionszene eröffnet und damit direkt das Fähigkeitsspektrum seiner Protagonistin Ok-ju absteckt, geht es in Lee Chung-hyuns Netflix Original nach der Exposition erst einmal gemächlich weiter. Die im koreanischen Film gern gesehene Melancholie drängt die Action an den Rand und ebnet den Weg für einen außerhalb der blutigen Nahkampfszenen eher behäbigen Racheplot. Das ist bisweilen etwas träge erzählt, gerade unter Berücksichtigung dessen, dass weder Ok-ju noch die restlichen Charaktere über Stereotypen des Actiongenres hinausgehen, kann sich durch den Einzug wohldosierter humoristischer Spitzen nach einem Durchhänger im Mittelteil aber wieder fangen – und dann gehört sowieso der Action die Bühne. Wenn sich für diesen Anlass der Hip-Hop-lastige Score erst einmal aufbäumt, geht es schmerzhaft und brachial zur Sache.

Ballerina ©Yoo Eun Mi/Netflix

Kompromisslose Fights, schnelle Schnitte und eine dynamische Kameraführung, die sich quasi unmittelbar an den Kämpfen beteiligt, in einer organischen Symbiose mit Messerstichen, Faustschlägen und Fußtritten. Dass „Ballerina“, anders als viele ambitionierte Actionfilme heutzutage, sich nicht scheut, auf Szenenschnitte zurückzugreifen, um den brutalen Auseinandersetzungen noch mehr Drive zu verleihen, erweist sich als überaus dienlich. Diese Entscheidung ist nicht etwa auf fehlendes handwerkliches Können zurückzuführen, sondern eine bewusste und sinnvolle Ergänzung der einwandfrei choreografierten Action. Nach der ermüdenden One-Take-Szene aus „Tyler Rake: Extraction 2“, die dort zum reinen Selbstzweck verkommt, sollte das Konzept der Plansequenzen sowieso noch einmal neu überdacht werden.

Ballerina ©Yoo Eun Mi/Netflix

Fazit

“Ballerina” ist ein weiterer Beweis dafür, dass das Actiongenre mit Südkorea längst eine neue Heimat fernab von Hollywood gefunden hat!

Bewertung: 3.5 von 5.

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