Talk to Me – Kritik

TitelTalk to Me
Genre Horror, Thriller
Jahr2023
FSK16
RegieDanny PhilippouMichael Philippou

Heimkinostart: 08.12.2023

Zwei Youtuber mischen das Horrorgenre auf!

Wir Filmjournalist*innen lieben Superlative. Wie oft bereits “der gruseligste Film des Jahres” laut der Presse im Jahr 2023 in den Kinos angelaufen ist, lässt sich schon gar nicht mehr zählen. Selbst auf Der Watchdog fiel diese Formulierung erst vor wenigen Wochen im Zusammenhang mit der deutschen Veröffentlichung des argentinischen Horrorfilms “Terrified”. Wie aussagekräftig ist es da überhaupt noch, diese reißerische Lobpreisung nur wenige Zeit später erneut in den Mund zu nehmen – oder besser gesagt auf Papier zu bringen? Wie man es dreht und wendet, am Ende führt nichts daran vorbei, erneut die Superlative aus dem Werkzeugkasten der journalistischen Rhetorik auszupacken und feierlich zu verkünden: “Talk to Me” ist der gruseligste Film des Jahres – dieses Mal aber wirklich!

Talk to Me ©Capelight Pictures

Und darum geht es…

Als verschiedene Videos vira gehen, in denen Teenager*innen mithilfe einer einbalsamierten Hand mit Toten kommunizieren und in diesem Rahmen sogar von sich Besitz ergreifen lassen, geht dieses Phänomen auch an Mia (Sophie Wilde) und Jade (Alexandra Jensen) nicht spurlos vorbei. Getrieben von Neugier suchen sie Kontakt zu den Urhebern der gruseligen Handyvideos, um sich selbst ein Bild davon zu machen, ob es sich dabei um einen Schwindel oder doch um echte übernatürliche Ereignisse handelt. Dabei lässt es sich Mia nicht nehmen, selbst die Kraft der unheimlichen Hand auszuprobieren. Ein böser Fehler mit tödlichen Folgen!

Talk to Me ©Capelight Pictures

Viszeraler Horror, wie man ihn schon lange nicht mehr gesehen hat!

Wem die US-amerikanische Produktionsfirma A24 kein Begriff ist – was gerade für Horrorfans einem Verbrechen gleicht – könnte aufgrund der Inhaltsangabe und der auf den ersten Blick generischen Prämisse hinter “Talk to Me” einen weiteren austauschbaren Horrorbeitrag wie zum Beispiel aus dem Hause Blumhouse Productions vermuten. Zugegebenermaßen unterscheidet sich der australische Ausnahme-Schocker in seiner zugrundeliegenden Struktur tatsächlich gar nicht so sehr vom gängigen Mainstreamhorror der Marke “Wahrheit oder Pflicht”. Ein okkultes Partyspiel, leichtsinnige Jugendliche und eine daraus resultierende, dunkle Bedrohung, die Besitz von ihnen ergreift, gibt es in beiden Werken zu sehen – die Umsetzung hingegen könnte sich nicht diametraler zueinander verhalten.

Talk to Me ©Capelight Pictures

Was ist es also, dass “Talk to Me” von einem Film wie “Wahrheit oder Pflicht” und somit auch von (fast) allen anderen Besessenheitsfilmen abhebt? Der Unterschied beginnt bereits darin, dass der sich kontinuierlich zuspitzende Horror auf einem stabilen Fundament fußt, dass seine Figuren nicht nur als weitere seelenlose Hüllen versteht und ihnen stattdessen Raum lässt, sich zu entfalten und damit ihrem mentalen Ballast Ausdruck zu verleihen. Ist der Grundstein erst einmal gelegt, lässt sich darauf mit Leichtigkeit ein viszerales Schreckensszenario errichten – und “Talk to Me” weiß diese Gelegenheit zu einhundert Prozent für sich zu nutzen. Bereits die Exposition sitzt. Die Atmosphäre braucht quasi keinerlei Vorlauf, um sich wie ein wanderndes Nebelgewand über den fragilen Gemütszustand des Publikums zu legen. Spätestens wenn der Horror dann nach rund einer Dreiviertelstunde so richtig von der Kette gelassen wird, wühlt sich der Schrecken tief in die Eingeweide und lässt erst mit dem Ertönen der Abspannmelodie wieder von seinem Opfer ab – das mulmige Gefühl jedoch bleibt noch lange zurück. Genau so muss Horror!

Talk to Me ©Capelight Pictures

Fazit

Furchteinflößend, clever und unglaublich atmosphärisch in Szene gesetzt. “Talk to Me” ist die Horror-Überraschung des Jahres und genau das, was dem Mainstreamhorror all die Jahre gefehlt hat. Ein wirklich fieser, gruseliger Film!

Bewertung: 4.5 von 5.

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