Mother – Jede Familie hat ihre Dämonen – Kritik

TitelMother – Jede Familie hat ihre Dämonen
Genre Horror
Jahr2021
FSK16
RegieBen Charles Edwards

Heimkinostart: 27.10.2023

Familienhorror fürs Heimkino

Die Rolle der Mutter in Horrorfilmen ist oft vielschichtig und faszinierend. Sie kann die Quelle von Trost und Schutz sein, aber auch von Furcht und Grauen, was das Genre für sich zu nutzen weiß, um tief in unsere menschlichen Ängste einzudringen. Einerseits symbolisieren Mütter das Urvertrauen und die Geborgenheit, die Kinder suchen, wenn sie Ängsten ausgesetzt sind. Andererseits können sie auch zur Verkörperung des Bösen werden. Welchen Weg der britische Horrorfilm “Mother – Jede Familie hat ihre Dämonen” wohl für sich gewählt hat?

Mother ©Lighthouse Home Entertainment

Und darum geht es…

Michael (Keaton Tetlow) und seine Schwester Donna (Page Ruth) haben schwere Wochen hinter sich. Zuerst die Trennung ihrer Eltern, dann die neue seltsame Frau (Camilla Rutherford) an der Seite ihres Vaters Richard (Nicholas Tucci) und dann auch noch der tragische Selbstmord ihrer Mutter (Linda Sandra Andreis). Im Stich gelassen von ihrem abwesenden Vater, der sich auch an diesen Tagen wieder auf Geschäftsreise befindet, bleibt ihnen nur ihre Stiefmutter, die sich zunehmend merkwürdiger verhält. Als sich darüber hinaus auch noch plötzlich übersinnliche Ereignisse in ihrem Zuhause häufen, gerät die Welt der Kinder vollständig aus den Fugen…

Mother ©Lighthouse Home Entertainment

Was lange währt, wird endlich gut

Wenn “Mother – Jede Familie hat ihre Dämonen” das bereits diesige Publikum nach der trögen ersten halben Stunde völlig überraschend mit einer sich tief ins Fleisch fressenden Gänsehaut-Szene aus dem drohenden Dämmerschlaf reißt, ist dies das erste kurze Aufblitzen eines ungeahnten Genies, dass sich leider erst so richtig im bärenstarken Schlussakt in voller Pracht präsentieren kann. Denn abgesehen von diesem ersten kurzen Aufbäumen in Form einer “Da ist was unter meinem Bett”-Szene, die vermutlich nie besser und gruseliger auf Film gebannt wurde, ist der Weg hin zum Bravo-Finale ein beschwerlicher. Dialoge, Schauspiel, Dramaturgie – irgendwie hapert es an allen Ecken und Kanten. Selbst die Prämisse erscheint irgendwie ein wenig zu vertraut. Wer beim abgelegenen Haus am Waldrand, alleine mit der unliebsamen Schwiegermutter, einer erst kürzlich suizidalen Mutter und dem abwesenden Vater an Veronika Franzs und Severin Fialas “The Lodge” denkt, hat nicht ganz unrecht. Auch die Parallelen (Stichwort: maskierte Mutterfigur) zu einem früheren Werk des „The Lodge“-Regie-Duos, dem Psychothriller “Ich seh, Ich seh” – das Original, nicht das furchtbare Remake “Goodnight Mommy” – sind unverkennbar.

Mother ©Lighthouse Home Entertainment

Während die beiden genannten Horror-Perlen von der ersten bis zur letzten Minute zu fesseln wissen, lässt “Mother – Jede Familie hat ihre Dämonen” hingegen lange Zeit an der Koordinationsfähigkeit des Drehbuchschreibers zweifeln. Was passiert hier gerade? Unkoordinierte Szenenabfolgen mischen sich mit unlogischen Verhaltensmustern zu einem Wust aus scheinbar wahllos aneinandergereihten Schockmomenten und Konflikten und hinterlassen lediglich Ratlosigkeit – zumindest bis es endlich Klick macht und das Blatt sich wendet. Wenn die Fäden mit der überraschenden Auflösung doch noch zusammenlaufen, ergibt plötzlich alles einen Sinn, was die vorangegangenen Ereignisse, Charaktere und Verhaltensweisen plötzlich in ein komplett neues Licht rückt. “Mother – Jede Familie hat ihre Dämonen” wird zweifelsohne einige, wenn nicht sogar viele vor den Kopf stoßen. Und doch sorgt der alles auf auf links drehende Schlussakt für eines der intensivsten Gänsehaut-Feelings des Horrorjahres – ein unbehaglicher Schauer, der, lässt man ihn erst einmal zu, einen so schnell nicht mehr von einem ablässt. Kein neuer „The Lodge“ und auch kein neuer „Ich seh, ich seh“ – dafür fehlt es „Mother“ dann doch am nötigen Fingerspitzengefühl, fähigeren Darsteller*innen und vor allem an Struktur!

Mother ©Lighthouse Home Entertainment

Fazit

Der Weg hin zum intensiven Finale ist beschwerlich – aber er lohnt sich!

Bewertung: 3 von 5.

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