| Titel | How to Blow Up a Pipeline |
| Genre | Thriller |
| Jahr | 2022 |
| FSK | 16 |
| Regie | Daniel Goldhaber |
Heimkinostart: 28.09.2023
Wieso fühlt sich das so falsch an?
Wenn sich der auf den ersten Blick harmlose Schüler Moritz in der Netflix Serie “How to Sell Drugs Online (Fast)” ein kleines Drogenimperium aufbaut und dabei natürlich die Grenzen der Moral weit überschreitet, drückt man dem charismatischen Kerl dennoch – oder vielleicht auch gerade deshalb – die Daumen. Der humoristische Ton, die charmanten Figuren und die vorherrschende lockere Leichtigkeit lassen da keinen Zweifel aufkommen – wir mögen Moritz, ob das nun moralisch vertretbar ist oder nicht. Ein Phänomen, das keine Seltenheit in der Welt des Films ist. Wieso also will sich beim Öko-Thriller “How to Blow Up a Pipeline” – auch abseits des ähnlich klingenden Titels, funktioniert der Vergleich ganz gut – ein vergleichbarer Effekt nicht einstellen? Anders als Moritz verfolgen die Klimaaktivist*innen mit ihrem Vorhaben schließlich ehrbare Motive – nur dass sie dabei halt zu radikalen, ebenfalls moralisch fragwürdigen Mitteln greifen.

Und darum geht es…
Theo (Sasha Lane) und Xochitl (Ariela Barer) haben genug von der Tatenlosigkeit der Regierung, wenn es um den Klimawandel geht. Gemeinsam mit weiteren Umweltaktivist*innen möchten sie endlich Taten sprechen lassen, um die Verantwortlichen zum Umdenken zu bewegen. Mit vereinten Kräften schmieden sie einen radikalen Plan: Sie wollen eine Ölpipeline in die Luft sprengen, mit dem Ziel, den Ölfluss zu unterbrechen und den Ölpreis in die Höhe zu treiben.

Der Danny Ocean unter den Klimaaktivist*innen
Dass sich etwas ändern muss, ist klar – der Raubbau am Planeten Erde kann so nicht weitergehen! Doch wie weit darf man eigentlich gehen, um endlich für ein Umdenken zu sorgen? Rechtfertigt der Zweck alle Mittel? Und wie sieht es mit Gewalt aus? Ist sie vertretbar oder kategorisch zu verurteilen? Während die in der Klatschpresse gern als Klima-Kleber betitelten Aktivist*innen – Alliterationen funktionieren schließlich immer – bereits als Terroristen gebrandmarkt werden, gehen die Protagonist*innen in Daniel Goldhabers Aktivismus-Thriller “How to Blow Up a Pipeline” noch einmal ein gutes Stück weiter. Eigentlich der perfekte Aufhänger, um sich mit diesem moralischen Paradoxon auseinanderzusetzen. Doch Fehlanzeige: Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit wird quasi nie gestellt. Das zweischneidige Schwert wird einseitig gewetzt und verkommt zu einem nicht vorhandene Dilemma, unterfüttert mit pseudo-gesellschaftskritischen Kommentaren, leeren Phrasen und klischeebeladenen Motiven.

Was bleibt, ist eine fiktionale Heldengeschichte, basierend auf dem gleichnamigen Sachbuch „How to Blow Up a Pipeline“ des schwedischen Humanökologen Andreas Malm, die das eigentliche Problem des Klimawandels ebenso stiefmütterlich behandelt wie die darin angeprangerte Regierung. Daniel Goldhaber hat sich dafür den Bildungsauftrag groß auf die Fahne geschrieben, kann diesen aufgrund der einseitigen Betrachtungsweise und der grenz-populistischen Holzhammer-Polemik jedoch zu keinem Zeitpunkt erfüllen. Stattdessen entspinnt sich ein an Steven Soderberghs “Ocean*s Eleven” angelehntes Heist-Movie, das in erster Linie mit seiner nervösen Inszenierung zum Mitfiebern einlädt. Während der pulsierende Score in Verbindung mit den unruhigen Bildern der dynamischen Handkamera dem Spannungsaufbau gut zuarbeitet, erzeugen die durch die Bank unsympathischen Protagonist*innen einen gegenteiligen Effekt. Es ist schwer einen echten Zugang zu eindimensionalen Stereotypen zu finden, deren Charaktereigenschaften sich größtenteils auf negative Attribute wie blauäugig und überheblich beschränken – entsprechend uninteressant bleibt auch ihr Handeln. “How to Blow Up a Pipeline” deswegen einen Propagandafilm zu nennen – so geschehen in diversen rechtspopulistischen Schmierblättern-, ginge natürlich zu weit und doch fühlt sich der undifferenzierte Blick auf das Thema Klimaaktivismus irgendwie falsch an.

Fazit
Der Öko-Thriller hat einen seltsamen Beigeschmack!
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