| Titel | Lockdown Tower |
| Genre | Horror, Drama |
| Jahr | 2022 |
| FSK | 16 |
| Regie | Guillaume Nicloux |
Heimkinostart: 25.08.2023
Gefangen im Mikrokosmos Sozialwohnungsbau
Laut einem Bericht der UNICEF Frankreich aus dem Jahr 2022 lebt jedes fünfte Kind in Frankreich unterhalb der Armutsgrenze. Als Kind sozial benachteiligter Familien scheint es, einmal gefangen in diesem Teufelskreis, nahezu aussichtslos aus der Armutsspirale auszubrechen. Der sozialpolitische Leitgedanke der Chancengleichheit bleibt auch heute noch größtenteils unerfüllt, sodass Bürger*innen immer noch unter Ausgrenzung aufgrund sozialer und ethnischer Herkunft zu leiden haben – und ein Ende scheint nicht in Sicht. Diese politisch aufgeheizte, ausweglose Lage macht sich das französische Horrordrama “Lockdown Tower” zu eigen, weiß dem Thema – sowie dem Horror-Aspekt – jedoch wenig bis nichts abzugewinnen…

Und darum geht es…
Für Assitan (Angèle Mac), Ahmed (Hatik) und Chakib (Ahmed Abdel Laoui) beginnt der Tag in ihren Wohnungen, eines im Pariser Außenbezirk verorteten Hochhauskomplexes wie jeder andere. Nur eines ist anders: Um den Sozialbau scheint sich über Nacht ein tiefschwarzer Nebel gelegt zu haben, der jeden der Bewohner*innen verschluckt, der durch ihn durch möchte. Auch noch am Tag darauf und dem Tag darauf verweilt das schwarze Nichts vor den Fenstern und Türen des Gebäudes. So ziehen zuerst Wochen, dann Monate und dann Jahre ins Land, während sich die Bewohner*innen an die neue Situation angepasst, mehr und mehr in Lager und Interessengemeinschaften aufteilen und ein fragiles Machtkonstrukt entsteht, das von Vereinsamung, Angst und Schrecken beherrscht wird!

Leben und Sterben im Plattenbau
Wenn sich ein mysteriöser, schwarzer Schleier um die Fassade des heruntergekommenen Sozialbaus legt und die Bewohner*innen von der Außenwelt isoliert, eingepfercht in die schmutzigen Gänge eines maroden Hochhauses, abgeschottet von Bildung, Nahrung und Arbeit, könnte dieses metaphorische Bild nicht eindeutiger sein. Solange die Innenpolitik des Landes die Augen für die Interessen der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Bevölkerung verschließt, gibt es für diese auch kein Entrinnen. Was es mit dem Gegenstände und Menschen gleichermaßen verschlingenden, schwarzen Nichts außerhalb der Fenster und Türen auf sich hat, spielt in “Lockdown Tower” keine Rolle. Ein Mysterium wird weder aufgebaut noch verfolgt. Guillaume Nicloux geht es einzig und alleine um das, was sich innerhalb des Mikrokosmoses Sozialbau abspielt – und das ist leider nicht viel mehr als im schwarzen Nichts…

“Lockdown Tower” ist eine Idee, die nicht fertig gedacht wurde. Ein gut gemeinter, in diesem Fall Wink mit dem Holzhammer, betreffend eines spannenden wie auch wichtigen Themas, nur ohne dramaturgischen Plan. Ein Film ohne echte Protagonist*innen, der einer grauen Masse an verblichenen, nahezu transparenten Charakteren durch die dunklen Gänge einer minimalistischen Kulisse folgt und grausame soziale Entwicklungen innerhalb der Hochhausgemeinschaft einstreut, aber nie ausarbeitet. Welpen, Katzen und sogar Säuglinge (je nach Sympathie auch andersrum) werden als Nahrungsquelle gezüchtet und geboren – der erhoffte Schock jedoch bleibt aus. Letztlich ist “Lockdown Tower” mehr Sozialdrama als Mystery– oder Horrorfilm, dabei aber stets zu oberflächlich, zäh und unausgereift.

Fazit
Sozialdrama und Horror auf Sparflamme!
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