| Titel | Old Man – Der Feind ist in dir |
| Genre | Horror, Thriller |
| Jahr | 2022 |
| FSK | 16 |
| Regie | Lucky McKee |
Heimkinostart: 29.06.2023
Kann der psychologische Thriller überzeugen?
Mit Filmen wie „The Woman“, „May“ und „All Cheerleaders Die“ konnte sich Horror-Regisseur Lucky McKee bereits einen Namen in der Szene machen. Nach einer kannibalistisch veranlagten Frau, einer tödlichen Schneiderin und – nun ja – töten Cheerleaderinnen eben, rückt der US-amerikanische Filmemacher in „Old Man“ einen etwas orientierungslos wirkenden alten Herren ins Zentrum eines psychologischen Schreckensszenarios – und fährt dabei den Horror deutlich zurück!

Und darum geht es…
Wer zurückgezogen in den Great Smoky Mountains in einer alten Hütte lebt, hat in der Regel kein Interesse an Besuch. Entsprechend missmutig empfängt ein alter Mann den ungebetenen Gast, der plötzlich vor seiner Tür steht. Auch wenn der sichtlich verwirrte Greis den Fremden, der sich als vom Weg abgekommener Wanderer namens Joe zu erkennen gibt, zunächst misstrauisch mit einem Gewehr bedroht, schafft eine schnell getroffene Waffenruhe vorerst genügend Zeit, in der sich die beiden Männer aus ihrem Leben erzählen können. Solange draußen ein Sturm tobt, müssen sie schließlich miteinander auskommen. Doch die Rückblicke in ihre Vergangenheiten offenbaren ein düsteres Geheimnis, dass die Situation jederzeit eskalieren lassen könnte…

Stephan Lang bekommt wieder ungebetenen Besuch…
Ein sichtlich gealterter und vom Leben gezeichneter Stephan Lang, der sich mit einem unliebsamen Eindringling in seinem isolierten Zuhause herumschlagen muss? Nein, die Rede ist nicht von „Don’t Breath“ – auch wenn sich die Parallelen bisweilen nicht von der Hand weisen lassen – sondern vom Psychothriller „Old Man“. Während sich der „Avatar“-Darsteller im genannten Schocker in einer Antagonistenrolle als blinder Kriegsveteran durch einen grobschlächtigen 08/15-Horrorszenario morden darf, schlägt „Old Man – Der Feind in dir“ einen ganz und gar anderen, weitaus redseligeren Weg ein. Nach einem stimmigen Auftakt, getragen vom eindringlichen Spiel Langs – da kann sein mehr als limitiert agierende Co-Star Marc Senter leider nicht mithalten – entpuppt sich der psychologische Thriller schnell als dialoglastiges Zweipersonenstück, das sich vielmehr um das Innenleben seiner Charaktere, als um deren möglichst blutiges Ableben interessiert – ein netter Gedanke, der leider nicht aufgeht.

Für die Tatsache, dass „Old Man“ größtenteils auf die Kraft der Dialoge setzt, um sein reduziertes Kammerspiel voranzutreiben, fallen eben jene erstaunlich oberflächlich und nichtssagend aus. Auch die dem Spannungsaufbau verschriebene Ungewissheit, wer hier eigentlich für wen die Gefahr darstellt, reicht nicht aus, um das Publikum bei Laune zu halten – und ist dabei auch schlicht und ergreifend zu erwartbar. Je schwammiger sich der Thriller in der Übermittlung an Informationen aus der Vergangenheit seiner Figuren hält, umso mehr schränkt er sich damit ein. Der Versuch, das Mysterium dadurch umso länger aufrechtzuerhalten, wirkt sich merklich auf die Spannungskurve aus, die nach der Exposition schnell Richtung Nulllinie abflacht. Dass die Pointe am Ende trotz alledem vorhersehbar ausfällt – die schlechte deutsche Release-Strategie verrät sich eigentlich schon, bevor man die Blu-ray einlegt – macht es natürlich nicht besser. Als Kurzfilm hätte „Old Man“ sicher seinen Reiz – aber sicher nicht als 97-Minütiger!

Fazit
Ein verwirrter, älterer Herr im roten Einteiler-Pyjama erzählt von damals – das Ergebnis ist genauso spannend wie es klingt!
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