| Titel | Arboretum |
| Genre | Thriller, Drama, Horror, Mystery |
| Jahr | 2020 |
| FSK | 16 |
| Regie | Julian Richberg |
Kinostart: 09.02.2023
Deutschlands neuer “Der Nachtmahr”?
Es ist immer schön zu sehen, wenn sich junge, ambitionierte Filmemacher aus der Komfortzone einer festgefahrenen Filmlandschaft herauswagen und neue Wege gehen. Der deutsche Film steht für vieles, aber sicher nicht für experimentierfreudige Genrefilme. Um dies zu ändern, wagt Regisseur und Drehbuchautor Julian Richberg einen vorsichtigen Blick über den Tellerrand und packt eine große Portion Persönliches und Experimentierfreude in einen ungewöhnlichen Mix aus Drama, Thriller und Mysteryhorror – nur leider fügen sich die einzelnen Ideen, die man in dieser Form alle schon mindestens einmal gesehen hat, nie zu einem organischen Ganzen zusammen. Was bleibt, ist ein gut gemeinter, aber extrem oberflächlicher, selten schlüssiger Flickenteppich.

Und darum geht es…
Erik und sein bester Freund Sebastian sind zwei Teenager in einer kleinen Stadt an der thüringischen Grenze, die einst zwischen Ost und West verlief. In der Schule werden sie gemobbt und auch sonst scheint das Leben den beiden Außenseitern keine Perspektive zu bieten. Und so sinnieren sie in ihrer Freizeit darüber, Rache an ihren Peinigern zu nehmen und machen Schießübungen mit dem altem NVA Gewehr von Eriks Vater. Als Erik ein junges Mädchen aus der linken Szene kennenlernt, dreht sich plötzlich seine Welt auf den Kopf. Und so muss er sich entscheiden zwischen dem, was ihn glücklich macht und seinen dunklen Gedanken, die unzertrennlich mit seiner Freundschaft zu Sebastian verbunden scheinen. Doch in einer Welt, die nur Gewalt kennt, kommt es zwangsläufig zur Eskalation, die das kleine Dorf am Rande der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze in seinen Grundfesten erschüttern wird. (Meteor Film)

„Donnie Darko“ goes Thüringen
Ein Opa mit SS-Vergangenheit, halbstarke Skinheads und ein ehemaliger Grenzsoldat der DDR. Die triste Thüringer Dorfgemeinschaft bietet neben Langeweile und Orientierungslosigkeit auch Wohnraum für allerhand verkrachte Existenzen. Mit all seinen Klischees und der plakativen Symbolik könnte die Welt aus “Arboretum” auch wunderbar als Kulisse für eine polit-satirische Ost-Karikatur dienen. Doch Julian Richberg meint es bierernst! Dass in seinem düsteren Horrordrama viel Persönliches steckt, ist durchaus lobend zu erwähnen und auch wenn die Intention dahinter eher Wut und Hass als Herzblut ist, lässt der junge Filmemacher zumindest Ambitionen durchblicken. Nur reicht das alleine leider nicht aus…

Leider lässt „Arboretum“ sowohl inszenatorisch als auch erzählerisch jegliches Fingerspitzengefühl seiner großen Vorbilder, zu denen unverkennbar auch Richard Kellys modernen Mystery-Klassiker “Donnie Darko” gehört, vermissen. Eine klare Intention hinter den Taten seiner Protagonisten hält das Skript genauso wenig parat wie eine nachvollziehbare Charakterentwicklung. Wenn ein trostloser Alltag, fehlende Perspektiven und körperliche Gewalt Trigger genug sind, für das, was noch folgen wird, wäre die Welt voller Eriks und Sebastians. Statt das Innenleben beider Figuren zu ergründen, handelt „Arboretum” stichpunktartig bekannte Klischees ab, während die diversen Zeitsprünge wichtige Stationen auslassen – vermutlich um Logiklöcher zu umgehen – dabei aber den gegenteiligen Effekt erzeugen. Aus kleinen Löchern werden klaffende Kratern – und das Publikum bleibt außen vor.

Fazit
Ein gut gemeintes, aber oberflächliches Mystery-Horror-Drama!
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