Thor: Love and Thunder [2022] Kritik

Mit „Thor: Tag der Entscheidung“ gelang Taika Waititi nicht nur der mit Abstand gelungenste Film der bis dato Trilogie – jetzt Quadrologie, sondern gleichzeitig auch einer der besten Produktionen des gesamten Marvel Cinematic Universe. Für “Thor: Love and Thunder” nimmt der charismatische Neuseeländer nun ein weiteres Mal auf dem Regiestuhl Platz, um mit völlig überzeichnetem Humor und kitschig-charmantem Look mal so richtig frei zu drehen.

Thor: Love and Thunder ©Marvel Studio

Handlung

Nach einer Vielzahl von menschlichen Verlusten, die der Donnergott in den letzten Jahren im Kampf erleiden musste, sucht Thor nach einem neuen Sinn in seinem Leben. Seit er sich zurück in Form trainiert hat, verweilt er die meiste Zeit abrufbereit in Meditation, um sich im Ernstfall für die Schwächeren des Universums einzusetzen. Als mit Gorr plötzlich eine neue dunkle Bedrohung aufzieht, muss er seine privaten Probleme jedoch beiseitelegen, um das Volk von Asgard zu beschützen und gleichzeitig die Welt der Götter vor dem Ende zu bewahren. Den Gorr ist mit dem magischen Nekroschwert ausgestattet und begibt sich auf eine kompromisslose Götterjagd, um nach und nach jeden Gott des Universums auszulöschen.

Thor: Love and Thunder ©Marvel Studio

Kritik

Die “Screaming Goat” – wer kennt sie nicht? Wer sich vor einigen Jahren auf das Videoportal Youtube begab, kam an den überaus amüsanten, schreienden Ziegen nicht vorbei. Wenn Taika Waititi nun ungefähr 20-mal – was nicht mal eine Übertreibung ist – diesen alten Gag aufwärmt, ist das bereits beim ersten Mal nichts anderes als ein effekthascherischer, billiger Kartenspiegeltrick, mit dem man das Publikum um den Finger wickeln kann. Ist das witzig? Ja, verdammt, das ist es – aber auch alles andere als innovativ! Inmitten unzähliger wirklich flacher, selten lustiger Pointen, kann “Thor: Love and Thunder” zwar immer mal wieder mit einem gelungenen Lacher punkten, die Trefferquote ist dabei aber verschwindend gering.

Thor: Love and Thunder ©Marvel Studio

Auf der anderen Seite ist das vierte Abenteuer des Asgardianers aber auch viel zu düster und ernst geraten. Weder die albernen Blödeleien, noch die künstliche Ernsthaftigkeit stehen dem Gott des Donners besonders gut. Zwar werden die dramatischen Momente nicht jedes Mal mit einem Gag – wie noch in Teil 3 der Reihe – aufgelöst, aber dennoch will sich keine emotionale Tiefe einstellen. Die hatte “Thor: Tag der Entscheidung” zwar ebenfalls nicht, konnte dafür aber mit einem einen wesentlich schöneren Look, spektakuläreren Actionszenen und viel pointierterem, tatsächlich lustigem Humor überzeugen.

Thor: Love and Thunder ©Marvel Studio

Was sich bisher nach einem totalen Verriss liest, birgt aber immer noch einen unglaublichen Charme, der auch “Thor: Love and Thunder” für Fans zu einem sehenswerten Film macht. Wer ein Herz für die “Guardians of the Galaxy” und Chris Hemsworth als Donnergott hat, wird auch hier mit einigen netten Momenten belohnt. Auch eine vor goldenem Blut nur so triefenden Schlacht im Mittelteil macht viel Laune und zeigt, was für ein großes Potenzial hier eigentlich gesteckt hätte. Der Plot rund um Thor-Ex Jane Foster und ihrer Verwandlung zu Mighty Thor hinterlässt dafür wenig Akzente und auch Christian Bale als Bösewicht Gorr, kann sich trotz tollem Schauspiel nie so richtig entfalten.

Thor: Love and Thunder ©Marvel Studio

Am Ende bremsen die dramatischen Szenen die humoristischen aus – und umgekehrt. Hier wäre eine geradlinige Herangehensweise mit Fokus auf den Humor wie im Vorgängerfilm deutlich effektiver gewesen. So geben sich spaßige Szenen und zähe Ernsthaftigkeit die Klinke in die Hand. Dafür dürfen wir aber einem launigen Metall-Soundtrack lauschen, uns an absurden – in diesem Fall im positiven Sinn – Outfits und Kostümen erfreuen und mit sympathischen Figuren mitfiebern. Denn letztlich hat “Thor: Love and Thunder” doch viel zu viel Charisma, um als Flop abgestempelt zu werden – eine Enttäuschung ist er nach dem starken “Thor: Tag der Entscheidung” dann aber doch.

Thor: Love and Thunder ©Marvel Studio

Fazit

Ein qualitatives Auf und Ab!

Bewertung: 3 von 5.

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